Marcel Casserini is the President and Country Manager of Harvey Nash Switzerland.

OFFSHORING - nur wegen Profit?

Immer mehr Firmen lagern nicht nur Teilbereiche Ihrer IT aus, sondern verlegen ganze Entwicklungszenter ins kostengünstige Ausland.

Sind es jedoch wirklich nur Kostengründe, welche dazu führen, dass Firmen sich für die externe Auslagerung entscheiden?

Wir von Harvey Nash erleben immer mehr, dass wir in der Schweiz einfach nicht genug gut ausgebildete Arbeitskräfte für den globalen Wettbewerb unserer internationalen Kunden finden können. Externe Studien zeigen auch auf, dass wir nicht über genügend Ausbildungsstätten verfügen, welche unseren Markt mit hoch spezialisiertem Humankapital ausstattet, so dass die Kunden qualifizierte Arbeitsleistungen extern einkaufen müssen.

Erstaunlicherweise ist der positive Feedback von unserer Kunden nicht ausschliesslich wegen den finanziellen Ersparnisse solcher Übungen, sondern die Erfahrung, welche Sie mit den SW-Entwicklern in den typischen Offshore-Ländern gemacht haben; einer unserer grössten Kunden bestätigte mir kürzlich, dass es ihm sehr imponierte zu sehen, wie unglaublich lernbegierig die Fachkräfte in unserem Offshore-Center in Vietnam waren. Aber auch der Ausbildungs-Standard war sehr hoch und auf Teamleader-Ebene sprach jede Person mindestens 2 Fremdsprachen fliessend!

Trotzdem stellen wir fest, dass nach den stürmischen Outsource-Jahren, jetzt in der IT-Welt vorsichtiger outgesourced wird. Der Hauptgrund ist vor allem, dass oft das zu rücksichtslose outsourcen zu einem enormen Verlust von internem Know-How geführt hat, welches nachher wieder - auch mit Hilfe von Harvey Nash - mühsam aufgebaut werden musste. In den letzten 6 Monaten durften wir 2 namhafte Firmen wieder aktiv bei einem Aufbau eines „In-Sourcing“ unterstützen, wo man Teil-Entwicklungen von Indien wieder zurück in die Schweiz holte, da zu viele Entwicklungen von nationalem Wissen und lokalen Gegegebenheiten abhängig waren.

Generell stellen wir fest, dass Outsourcen nicht auf die Globalisierung zurückzuführen ist, sondern mehr wegen der standardisierten Entwicklung von vielen Software-Tools, welche dazu führten, dass ein Grossteil von Entwicklungen zu „Fliessarbeiten“ degradiert wurden.

Nachdem wir mit den meisten unserer grössten Kunden, viele Offshore-Auslagerungen miterlebt haben, stellen wir nun aber fest, dass wir trotz vielen Auslagerungen heute noch mehr Fachkräfte platzieren konnten. Anstelle von reinen Entwicklern, sind heute dafür z.B. Java-Entwickler mit Analyse-Fähigkeiten und Erfahrungen in Projekt-Leitungen gefragt oder IT-Business Analysten mit Finanz-Background; also weg von reinen auf IT fokussierten Spezialitäten und Erfahrungen.

Es findet demnächst kein massiver Stellen-Abbau statt, sondern eine Verlagerung, welche dazu führt, dass heute die Ansprüche an die IT-Fachkräfte steigen und mehr Know-how auch im Business-Bereich gefragt ist. Ist das der Tod des reinen Entwicklers? Und wie bekommt man diese so genannten Spezialisten?

Bald mehr darüber auf dieser Seite!

October 6, 2006 11:39 AM | Permalink